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Gerücht und Realität - traurige News

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Gerücht und Realität - traurige News

Beitragvon Handy-Fan » 12.12.2017, 14:46

"Ein Gerücht. Und was für eines ! Am Freitag verbreitete es sich in Windeseile in den Medien. NEVS würde, so der Inhalt, in Trollhättan wieder Autos bauen – und das bereits im 2. Quartal 2018. Eine Geschichte, zu gut, um wahr zu sein. Die lokale Zeitung brachte es exklusiv als Bezahl-Artikel.

Und auch internationale, renommierte Magazine wie die Automotive News sprangen auf den Zug auf. Zu diesem Zeitpunkt war das Gerücht freilich schon längst wieder einkassiert. Der Auslöser, ein missverständliches Bloomberg-Interview mit NEVS Gründer Kai Johan Jiang, war längst korrigiert. Dort waren aus Autoteilen, die NEVS in Schweden herzustellen plant, komplette Autos geworden.

Die Windeseile, in der die Geschichte um die Welt ging, zeigte zwei Dinge. Zum Einen, dass selbst renommierte Medien in einer extrem hektischen Welt Nachrichten ungeprüft übernehmen. Eine Nachfrage bei der Quelle, eine Rückversicherung findet nicht mehr statt. Zum Anderen ist da das Saab Phänomen. Eigentlich ein Unding, dass es die Marke immer noch in die Schlagzeilen schafft. Ein Wunder wird ersehnt, und man spürt immer noch die Hoffnung auf das Unmögliche.

Die Realität aber ist so trist wie es schwedische Wintertage sind. In der alten Saab-Fabrik können keine Autos mehr gebaut werden. NEVS, chronisch unterkapitalisiert, demontiert Werkzeuge und Teile im Karosserie- und Lackierwerk und schafft, was verwertbar ist, nach China. Im Gespräch mit Saab Legende Olle Granlund vor einem Jahr kamen wir auf genau diesen Punkt zu sprechen. Er rechnete damit, dass die Chinesen in der Stallbacka Demontage betreiben würden. Ich aber hielt dagegen. Denn wer würde alte, gebrauchte Werkzeuge demontieren, die bereits für mehrere 100.000 Fahrzeuge genutzt wurden, um sie für eine neue Produktion in China zu verwenden?

Das war einmal, so dachte ich. Vor vielen Jahren. Als Steinzeit-Kommunisten deutsche Fabriken kauften und nach China verschifften. Die Zündapp-Produktion landete so in den 80er Jahren ebenfalls in Tianjin. Geschichte wiederholt sich nicht. Tut sie aber doch !

Für die alte Saab-Fabrik ist jetzt erst einmal das Ende erreicht. Niemand mehr wird den magischen, roten Knopf drücken können, keiner mehr eine Produktion starten. Die Verhältnisse sind geklärt, und in dieser Dekade wird nichts mehr passieren. Es sei denn, es geschieht ein Wunder, die Eigentümer wechseln oder was auch immer. Aber Wunder finden selbst um die Weihnachtszeit selten statt.

China will den Markt der weltweiten Mobilität beherrschen. Das ist das erklärte Ziel. Bei Volvo reagieren die Chinesen umsichtig. Aber sie sind agressiv. Nach Volvo kam London Taxi, Lotus, Anteile von Proton, eine skandinavische Bank und die neue Marke Lynk & Co in die chinesische Einkaufstasche. Der Appetit auf mehr ist damit noch lange nicht gestillt. Geely soll Daimler Avancen machen und möchte als Groß-Aktionär einsteigen. Daimler wehrt sich. Noch…

Aber nicht immer wachsen chinesische Bäume in den Himmel. NEVS erinnert an die brachiale Tour der 80er Jahre und versucht es mit alten Werkzeugen und teilweise alter Technik. Nicht viel besser ist es um die Rückkehr der ehemaligen Tradtions-Marke Borgward bestellt. Als Untote neu geboren klebt das ehemals stolze Logo auf chinesischen Produkten. Das Comeback in China stottert, die Marke verbrennt viel Geld. Der Absatz stockt, entgegen dem Markt-Trend. Borgward Eigentümer Foton hat sich vielleicht verhoben und ist in Verhandlung mit Investoren. Ein kompletter Verkauf wird nicht ausgeschlossen.

In Deutschland ist, ausser großen Ankündigungen, bisher nichts zu sehen. Sixt sollte die ersten Borgward BX7 im Dezember vermarkten, und das Grundstück für das Montagewerk in Bremen ist immer noch nicht gekauft. Auch die Investitionen in Stuttgart stocken.

Grund sollen die Behörden in China sein, die den Geldtransfer in das Ausland kontrollieren. Sie überwachen den Abfluss von Devisen in das Ausland. Ein Umstand, den wir kennen, der aber bei Borgward überrascht. Denn im Gegensatz zu NEVS, ein Unternehmen mit teilweise privater Eigentümer-Struktur, gehört Foton zu BAIC. Und BAIC ist ein chinesischer Staatskonzern."


Quelle
Gruss Handyfan

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