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Zur falschen Zeit am falschen Ort

Beitragvon Handy-Fan » 24.07.2017, 09:49

Hut ab !!!

"Die Ereignisse des G20 Gipfels in Hamburg sind noch frisch in unseren Erinnerungen. Im Chaos dieser Tage wurde auch automobiles Kulturgut vernichtet. Zerstörungswut, die uns traurig und ratlos macht. Und aus der ein mahnendes Symbol gegen sinnlose Gewalt werden soll.

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Das sahen auch unsere Freunde Dirk und Markus. Beide Schweden-Liebhaber sind seit Jahren im Volvo-Stammtisch aktiv und seit einiger Zeit auch bekennende Saab-Liebhaber.

Die Idee: Ein automobiles Mahnmal gegen sinnlose Gewalt.
Wütend über die Zerstörung eines inzwischen eher seltenen und „kulturell wertvollen“ Saab – ein schwarzer 16S mit guter Ausstattung (Vollturbo, ABS, Airbag, Schiebedach,…) – wurde eine verrückte Idee geboren: Der Wagen darf nicht umsonst gestorben sein! Aus ihm soll ein automobiles Mahnmal gegen die sinnlose Gewalt während des G20-Gipfels werden.

Da Dirk und Markus beruflich im Automobil-Sektor als KFZ-Meister und Karosseriebaumeister tätig sind, sollte die technische Umsetzung kein Problem sein. Kurzerhand fuhren sie abends nach Hamburg und befestigten eine Nachricht an dem ausgebrannten Wrack, in der Hoffnung, dass sich der Eigentümer bei ihnen melden würde.

Gute Dinge brauchen manchmal erstaunlich wenig Zeit: Schon bald bekamen sie einen Anruf der Halterin. Sie schilderten ihr ihre ausgefallene Idee. Die Saab-Liebhaberin war sofort begeistert!
Dann ging alles ganz schnell. Markus und Dirk bekamen den ausgebrannten Saab übereignet und die Erlaubnis, das Wrack zu bergen. Es musste zügig gehen, um dies möglichst schonend zu tun – bevor es von einem Entsorgungsunternehmen per Greifer vollkommen zu Schrott verwandelt würde.

So fuhren sie wenig später mit Anhänger und diversen Hilfsmitteln an die Hamburger Elbchaussee, wo der schwarze 16S Opfer der Flammen wurde…

Begeisterung in Hamburg und viel Sympathie.
Inzwischen wurde auch die Tageszeitung Hamburger Abendblatt auf die Aktion aufmerksam. In einem Artikel „beschwerte“ sich ein Redakteur, dass die Stadt Hamburg die Wracks auch Tage nach den G20-Chaos noch nicht beseitigt hätte. Dirk nahm Kontakt mit der Redaktion auf und teilte denen mit, dass zumindest ein Wrack in Kürze dort entfernt werden würde und deutete an, was sie mit dem Saab vorhätten.

Die Redaktion reagierte sofort begeistert und wollte darüber berichten. Online erschien ein erster kurzer Artikel – der offensichtlich von vielen Hamburgern gelesen wurde. Dazu aber später mehr…

Die Bergung gestaltete sich als schwierig. Der Wagen war vollkommen ausgebrannt. Die vier Felgen teilweise geschmolzen, die Federn durch die immense Hitze zusammengesackt. Die Idee, einen Satz intakte Räder auf den Wagen zu schrauben, um ihn überhaupt bewegen zu können, war grundsätzlich gut – aber nicht ohne Komplikationen.

Entgegen erster Befürchtungen ließ sich der Saab per Wagenheber recht problemlos anheben. Selbst die Radbolzen lösten sich einigermaßen leicht. Aber es fiel schon da auf, dass die Achsen recht haltlos an der Karosserie schlackerten. Denn alle Gummibuchsen waren komplett weggeschmolzen. Und in der Summe all dieser fehlenden Buchsen hatten Vorder- und Hinterachse extrem viel Spiel, sodass sich die Räder schräg stellten.

Die Zusammengesackten Federn mussten wir mit Distanzstücken aus Holz ausgleichen. Die angezogene Handbremse ließ sich mit etwas Nachdruck lösen. Was aber ein Problem war – einen Saab parkt man im Rückwärtsgang… Der Schalthebel samt Rückwärtsgang-Sperre hatten sich im Feuer mehr oder weniger aufgelöst. Also mussten wir die Schaltstange direkt am Getriebe bewegen – was nach einiger Zeit und viele Mühe auch gelang…

Nun war das Wrack bereit, um auf den Hänger gezogen zu werden. Auch das war alles andere als einfach. Unwillig bewegte sich der Metallklumpen unter Einsatz der Winde. Immer wieder setzte er auf, es hakte hier und da. Schlussendlich dauerte es über eine Stunde, bis wir ihn endlich auf der Ladeplattform hatten.

Solidarität, Hilfsbereitschaft.
Während der Aktion hielten an der Elbchaussee (es war Feierabendzeit) immer wieder Fußgänger, Jogger, Radfahrer und Autos. Vom nagelneuen Audi A6 RS mit elegantem Anzug-Träger bis hin zu alten Möhren. Es waren Hamburger, die von der Aktion im Abendblatt gelesen hatten und die Aktion großartig fanden. Im Vorbeifahren immer wieder anerkennendes hupen und Daumen hoch.

Ein Passant beäugte unser reges Schaffen besonders interessiert und meinte „Ihr bräuchtet eigentlich einen Abschleppwagen“. „Ja, aber woher nehmen“ entgegnete Markus. Sebastian – so hier der junge Mann: „Ich habe einen… Aber der steht in Pinneberg – ich hole den.“

Unfassbar, diese Hilfsbereitschaft!

Wir verblieben so, dass wir erst mal versuchen würden, den Wagen so zu verladen – und wenn es nicht geht, wären wir über seine Hilfe natürlich dankbar. Das Aufladen klappte tatsächlich in Eigenregie. Sebastian ließ es sich aber nicht nehmen, trotzdem „vorsichtshalber“ noch mal mit seinem gelben Abschleppwagen vorbei zu schauen.

Der ausgebrannte Saab wurde dann von Dirk und Markus in eine Halle nach Seth (bei Bad Segeberg, nördlich von HH) verbracht. Hier wird er ein rollbares und trailerfähiges Gestell bekommen, von losem Brandgut befreit und konserviert. Außerdem wird eine Gedenk-Tafel angefertigt.

Wie die Rettung weitergeht und wie das „zweite Leben“ des G20-Saab aussehen wird, verraten wir demnächst…"


Alle Fotos hier!

Quelle
Gruss Handyfan

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